Wilhelm Exner Medaille und Exner Lectures 2016

9. November 2016
Zur Zeit läuft die Ausschreibung der diesjährigen Wilhelm-Exner-Medaille. Zur Nominierung ist ausschließlich frühere Medaillenträger/-innen berechtigt.
Mit einer Entscheidung ist bis Ende Februar zu rechnen. In der Folge wird die Exner Lecture ausgeschrieben werden.

Exner Lectures Sir Gregory Winter

23. November 2015

23. November 2015
Zum ersten Mal konnten rund um das Forschungsgebiet des diesjährigen Laureaten, Sir Gregory Winter ein Symposium organisiert werden. Das Programm finden Sie hier.

Sie können hier alle Beiträge ansehen.

Wilhelm Exner Medaille 2015

Eine Geschichte, die von Antikörpergemischen aus Pferdeserum bis zu synthetisch herstellbaren Miniaturausgaben von monoklonalen Antikörpern reicht, stellte kürzlich der britische Biotech-Pionier Sir Gregory Winter in Wien dar. Der Anlass: Er wurde mit der Wilhelm- Exner-Medaille des Österreichischen Gewerbevereins ausgezeichnet.

Der britische Biotech-Wissenschafter Gregory Winter passt jedenfalls in diese Riege. Er hat durch seine Arbeiten in Cambridge seit den 1970er-Jahren am Durchbruch der monoklonalen Antikörper in der Therapie von Krankheiten federführend mitgewirkt - sowohl als Wissenschafter als auch als Start-Up-Gründer (Cambridge Antibody Technology - CAT). Das Unternehmen wurde schließlich 2006 für 700 Millionen britische Pfund (998,57 Mio. Euro) an den Pharmakonzern AstraZeneca verkauft, der sich Jahre zuvor laut Winter - ähnlich wie andere Konzerne - uninteressiert gezeigt hatte.

Weg zur Biotech-Medizin geebnet

Dabei ebneten die Arbeiten des Briten erst den Weg zur modernen Biotech-Medizin mit monoklonalen Antikörpern. Nach Pferdesera des vergangenen Jahrhunderts mit Immunglobulin- Gemischen waren die ersten monoklonalen Antikörper, die zunächst in Mäusen hergestellt worden waren, ungeeignet für die Therapie von Menschen. "Damit konnte man zehn Tage behandeln. Dann entwickelten die Patienten Antikörper gegen die Maus-Antikörper", sagte der in Anwesenheit von Bundespräsident Heinz Fischer Geehrte.

Der erste Clou bestand darin, die Gene, die für den größten Teil der Antikörper vom Menschen verantwortlich sind, mit jenen Genen von Mäusen zu kombinieren, die für die Zielgerichtetheit der Gentech-Antikörper entscheidend sind. So blieben an den neuen monoklonalen Antikörpern nur noch ganz kleine Reste von Maus-Anteilen, was die Patienten tolerierten. Noch eleganter ist die von Winter und seinem Team später ebenfalls entwickelte Technik zur gezielten Produktion rein humaner monoklonaler Antikörper: durch das Anlegen von riesigen Antikörper-Bibliotheken mit Phagen (so etwas wie Bakterien-Viren; Anm.) und dem Heraussuchen der passendsten Varianten für einen bestimmten Anwendungszweck.

Umsatzstärkstes Biotech-Medikament

Der von Winter und seinem Team entwickelte humane monoklonale Antikörper Adalimumab zur Therapie der chronischen Polyarthritis war vergangenes Jahr weltweit das umsatzstärkste Biotech-Medikament mit einem Umsatz von 12,5 Milliarden US-Dollar (11,70 Mrd. Euro).

Nach dem Verkauf von CAT wandte sich der mit der Wilhelm-Exner-Medaille Ausgezeichnete neuen Projekten mit einem weiteren Unternehmen (Bycicle Therapeuctics) zu. Dabei geht es um die Entwicklung von Mini-Antikörperstrukturen, die sich bereits synthetisch herstellen lassen. "Die Kleinheit erleichtert die Penetration von Gewebe. Man kann sie chemisch produzieren. Für die Krebstherapie kann man daran Toxine anhängen", sagte Winter. (APA/Science)

Foto © Carina Karlovits/HBF

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Die Medaille


Die Wilhelm Exner Medaille ist eine österreichische Auszeichnung und wird von der Wilhelm-Exner-Stiftung des Österreichischen Gewerbeverein vergeben. Die Auszeichnung ist Wilhelm Exner gewidmet und wird seit 1921 jährlich vergeben.

Die Verleihung der Medaille erfolgt an herausragende Wissenschaftler und Forscher, welche die Wirtschaft direkt oder indirekt durch besondere wissenschaftliche Leistungen in hervorragender Weise gefördert haben.

Ins Leben gerufen wurde die Wilhelm Exner Medaille aus Anlass der 60-jährigen Zugehörigkeit seines Ehrenpräsidenten Wilhelm Exner zum Österreichischen Gewerbeverein.

Wilhelm Exner (1840–1931) betrachtete die zu seiner Zeit stattfindenden umwälzenden Veränderungen der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen stets als große Chance und war darauf ausgerichtet, dabei auftretende Probleme offensiv und konstruktiv zu bewältigen. Exner repräsentierte den weltoffenen österreichischen Liberalismus, der anstelle von Abschottung und Feindbildern sein Engagement für Modernisierung und Umgestaltung von Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft einsetzte.

Diese die Persönlichkeit Wilhelm Exners prägenden Charaktereigenschaften sind in ihren Grundzügen auch bei vielen Wilhelm-Exner-Medaillenträgern zu finden.Mit der Medaille, die seinen Namen trägt, ehrt der Österreichische Gewerbeverein seit 1921 bedeutende Wissenschaftler, deren Theorien, Erkenntnisse und Resultate wichtige gewerbe-industrielle Anwendungen hervorbrachten oder anbahnten. Unter den 222 Preisträgern, aus den Bereichen Physik, Chemie oder Biologie sowie Erfinder und Konstrukteure, deren Ideen und Entwürfe neue Dimensionen des wirtschaftlichen Fortschritts eröffneten und die Entwicklung von Industrie und Gewerbe nachhaltig förderten, finden sich 16 Nobelpreisträger.

Die Medaille hat einen Durchmesser von 7,5 cm und wird aus Bronze hergestellt. Sie trägt auf der Vorderseite das Bild und den Namenszug Wilhelm Exners, auf der Rückseite die Umschrift „Wilhelm-Exner-Medaille des Österreichischen Gewerbevereins in Wien“, den Namen desjenigen, dem die Medaille verliehen wurde, sowie das Jahr der Verleihung.