1986

Horst Dieter Wahl

Zum ersten Mal in der Geschichte der Wilhelm-Exner- Medaille kam es auf Wunsch von Horst Wahl nicht zu der Auszeichnung eines einzelnen Forschers, sondern einer Arbeitsgruppe. Neben Wahl erhielten auch Claudia-Elisabeth Wulz, die derzeit am CERN arbeitet, Manfred Pernicka, Josko Strauss, David Dallmann, Rudolf Frühwirth und Friedrich Szoncso die Auszeichnung.

Wie der damalige Exner-Medaillenstiftungs-Geschäftsführer Hans Tuppy in seiner Laudatio ausführte, gibt der von der Europäischen Organisation für Kernforschung betriebene CERN in Genf nicht nur Aufschluss über eine in der Natur wirkende Grundkraft, die so genannte “schwache Kernkraft”, sondern ermöglichte einen großen Schritt in die Richtung einer vereinheitlichten Theorie der “schwachen Kernkraft” und elektromagnetischen Wechselwirkung. Dies führte dazu, dass ein klareres Verständnis vom Aufbau der Materie entwickelt werden konnte.

Das zur Entdeckung der Teilchen dienende aufwändige Expe riment beruht auf der Kollision von Protonen, also Wasserstoffkernen, mit ihrer Antimaterie, den so genannten Antiprotonen, bei hohen Geschwindigkeiten. Wichtige Aufgabe von Horst Wahls Wiener Arbeitsgruppe war es, den dazu notwendigen Detektor zu entwickeln. Die Forschungsschwerpunkte Horst Wahls, der seit dem Jahr 1985 an der Florida State University forscht und lehrt, liegen bis heute auf dem Gebiet der schwachen Kernkraft und elektromagnetischen Wechselwirkung. Wahl ist an Forschungsprojekten beteiligt, die am Fermi National Accelerator Laboratory stattfi nden. Das Fermilab ist ein US-Teilchenphysik-Zentrum, das den derzeit weltweit energiereichsten Teilchenbeschleuniger beherbergt. Weiters gelten Horst Wahls Forschungsinteressen aber auch dem Compact Muon Solenoid (CMS)-Experiment. Es handelt sich dabei um einen großern Elementarteilchen-Detektor, welcher zur Zeit für den CERN installiert wird. Hintergrund dieser Anstrengungen ist, der Frage nach Ursprung und Zusammensetzung des Universums nachzugehen. Dazu zählt die Suche nach dem Higgs-Teilchen (Higgs-Boson), von dem Physiker annehmen, dass es die Masse aller Materie verursacht.

Tuppy ging in seiner Laudatio auch auf den Menschen Horst Wahl ein, den er als künstlerisch begabt skizzierte und dessen Fähigkeiten ebenso außerhalb der Physik, nämlich in der Musik, in der Lyrik und in der Kochkunst liegen. Wahl erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Erwin Schrödinger-Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

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