1935

Wolf Johannes Müller

Der Laureat des Jahres 1935 studierte an der Universität Freiburg im Breisgau Chemie, Physik und Mathematik. Nach Studienabschluss arbeitete er bei den beiden Nobelpreisträgern Jacobus Henricus van’t Hoff (1852-1911) und Wilhelm Ostwald (Wilhelm-Exner-Medaille 1923) in Berlin.

Im Jahr 1900 wurde er Privatdozent an der Universität Freiburg im Breisgau, 1903 Lehrer an der Chemieschule in Mühlhausen und wechselte 1906 als Privatdozent an die Universität Basel, wo er 1909 Titularprofessor wurde. Ab dem Jahr 1911 war Müller als Leiter des anorganisch-wissenschaftlichen und analytischen Laboratoriums sowie der Abteilung für Materialprüfung bei den Farbenfabriken Bayer & Co. (Leverkusen) tätig. Im Jahr 1926 erfolgte seine Berufung zum Ordentlichen Professor an die TH Wien.

Angeregt von den Arbeiten des deutschen Chemikers Johann Wilhelm Hittorf (1824-1914), der unter anderem wichtige Grundlagen für die Entwicklung von Röntgenröhren und Kathodenstrahlröhren erarbeitet hatte, befasste sich Müller in Leverkusen sowohl experimentell als auch theoretisch mit den Erscheinungen der Passivität und Korrosion bei Metallen. Er entwickelte ein Verfahren zur Gewinnung von Schwefelsäure und Zement aus Gips und Ton, das in der industriellen Verwertung zu seiner Zeit eine große Bedeutung gewann. Weiters bildeten seine Erfindungen das Fundament, welches die Einführung der industriellen Großfabrikation von Farben auf Cadmiumbasis erst möglich machte. In Wien widmete sich Müller als Professor an der Technischen Hochschule hauptsächlich weiter seinem Spezialgebiet und forschte über die Passivität und Korrosion der Metalle.

Ab dem Jahr 1928 hatte er an der Technischen Hochschule Wien auch die Lehrkanzel Technologie der Brennstoffe inne und leitete die Versuchsanstalt für Brennstoffe. Auf diesem Gebiet entfaltete Müller ebenso eine reiche wissenschaftliche Tätigkeit, welche hauptsächlich in Arbeiten über die Entgiftung des Leuchtgases und über die Reaktionsfähigkeit des für die damalige Gasproduktion unabdingbar notwendigen Kokses Ausdruck fanden.

Wolf Johannes Müller erhielt im Lauf seines Wirkens zahlreiche Ehrungen, so wurde er im Jahre 1930 von der Freiburger Chemischen Gesellschaft zum Ehrenmitglied ernannt, weiters erhielt er den Lieben-Preis der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, als deren korrespondierendes Mitglied er dieser Institution seit dem Jahr 1936 verbunden war.

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