1923 | Nobelpreis Gewinner

Wilhelm Ostwald

Wilhelm Ostwald, der 1909 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, gehörte zu der Forschergeneration, die durch die Thermodynamik fasziniert und geprägt war. Aus dieser Prägung resultierte auch seine Überzeugung, die er in dem Slogan “Vergeude keine Energie, verwerte sie!” ausdrückte. Ostwald sah die Begrenztheit fossiler Energien und stellte bereits 1911 die Forderung, dass der Energiebedarf primär durch die Sonne gedeckt werden sollte.

Was heute als Photovoltaik bezeichnet wird, benannte Ostwald in seinem bereits 1911 erschienenen Buch “Die Mühle des Lebens” als photoelektrischen Strom. Ostwalds wissenschaftliches Leben war von der Suche nach den Gesetzmäßigkeiten der Bildung chemischer Verbindungen geprägt. Er wirkte ab 1887 als Professor für Physikalische Chemie an der Universität Leipzig und von dieser Stelle aus konnte er als Mitbegründer und Organisator der physikalischen Chemie globale Wirksamkeit entfalten.

Die Durchsetzung der elektrolytischen Dissoziationstheorie als Hauptbestandteil der modernen Physikalischen Chemie erfolgte im wesentlichen durch Ostwald und seine Schule sowie durch die 1887 von ihm gegründete “Zeitschrift für physikalische Chemie”. Weiters war er Mitbegründer der “Deutschen Elektrochemischen Gesellschaft”, der späteren “Deutschen Bunsen-Gesellschaft für angewandte physikalische Chemie”.

Eines seiner größten wissenschaftlichen Verdienste war die Erarbeitung des Katalysebegriffs in der Chemie. Dafür erhielt er auch den Nobelpreis, und seine Forschungen bahnten den Weg, dass katalytische Reaktionen in der chemischen Industrie an Bedeutung gewinnen konnten. Darauf aufbauend entwickelte der Wilhelm-Exner-Medaillenträger des Jahres 1929 und Nobelpreisträger Fritz Haber das Haber-Bosch-Verfahren. Wilhelm

Ostwald nahm 1903 eine Einladung an die Universität Berkeley an und war so begeistert von dem Land, dass er die Auswanderung nach Kalifornien erwog. 1905 legte Ostwald auf eigenen Wunsch sein Lehramt in Leipzig nieder und übersiedelte in sein Landhaus “Energie” nach Großbothen. In den Jahren 1914 bis 1916 entwickelte er eine messende Farbenlehre. 1920 gründete er die Werkstelle für Farbkunde in Dresden zur Weiterentwicklung der Farbenlehre und zur Lösung von Anwendungsproblemen in der Industrie. Im Unterschied zu seinen anderen Erkenntnissen blieb jedoch seiner Farbenlehre die Anerkennung weitgehend versagt.

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