1998

Uwe B. Sleytr

International gilt Uwe Sleytr, Gründer und Vorstand des an der Universität für Bodenkultur Wien angesiedelten Zentrums für Nanobiotechnologie und derzeitiger Geschäftsführer der Wilhelm-Exner-Medaillenstiftung, als einer der Spitzenrepräsentanten des noch jungen Fachs Nanobiotechnologie. Diese Technologie, die eine Brücke zwischen belebter und unbelebter Natur schlägt, wird einhellig als eine der Basis- und Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts betrachtet.

Der innovative Ansatz besteht darin, biologische Prinzipien, chemische Verfahren, physikalische Gesetze und Ingenieurwissenschaften in Kombination miteinander so zu nutzen, um Bausteine und Strukturen mit maßgeschneiderten Eigenschaften herstellen zu können. Auf Sleytr geht die Entdeckung der so genannten S-Schichten zurück, mit denen sich baukastenartig unterschiedliche Aufgaben lösen lassen. Vorbild dafür waren Bakterien, deren Außenhülle aus einem zweidimensionalen Eiweiß-Kristall-Gitter besteht, das sich relativ leicht nachbauen und verändern lässt. Mikromaschinen entstehen durch Verankerung von zusätzlichen funktionellen Proteinen. Dabei kann es sich beispielsweise um Filter zur Blutreinigung, aber auch um künstliche Viren handeln. Vorteil künstlicher Viren ist, dass sie als Transporteure für Wirkstoffe sowie in der Gentherapie Verwendung finden und damit die durch echte Viren gegebenen Nachteile vermieden werden können.

Im Jahr 2003 gründete Sleytr die Nano-S, deren Unternehmenszweck die Verwertung der durch Patente geschützten S-Schicht-Nanotechnologie ist. Das Studium der Lebensmittel- und Biotechnologie schloss Sleytr an der Universität für Bodenkultur Wien im Jahr 1966 ab, promovierte 1970 und war zwischen 1965 und 1972 als Assistent an der BOKU tätig. Danach folgten mehrere Auslandsaufenthalte, im Jahr 1977 erhielt er die Berufung zum Außerordentlichen und 1982 zum Ordentlichen Professor an der BOKU. Zwischen 1986 und 2004 leitete er das Ludwig Boltzmann-Institut für Molekulare Nanotechnolgie in Wien.

Uwe Sleytr, der Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften und Akademien ist, publizierte 320 Arbeiten. Sleytr erfuhr eine Vielzahl an Ehrungen, so erhielt er unter anderem den Philip Morris Forschungspreis, den Sandoz-Preis, die Eureka-Erfi ndermedaille und den Life Member des Clare Hall College in Cambridge. Darüber hinaus ist er als Ehrenprofessor der chinesischen Sichuan-Universität als Berater am Aufbau des dortigen Instituts für Nanobiomedizin und Membranbiologie tätig.

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