1956

Sir Christopher Hinton

Als Promotor und Pionier der britischen Energiewirtschaft war Hinton von den 40er bis zu den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts einer der einfl ussreichsten Wissenschafter Großbritanniens. Er schloss sein Studium der Physik 1931 in Cambridge mit Auszeichnung ab und arbeitete danach bei dem großen Chemieunternehmen Imperial Chemical Industries (ICI). Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde Hinton in das für die Beschaffung von Kriegsausrüstung zuständige Ministerium berufen. Das 1939 geschaffene Ministerium wurde 1959 wieder aufgelöst.

Ab dem Jahr 1942 bekleidete Hinton die Position eines Generaldirektors der Filling Factories, die die gesamte Munitionspalette für die britische Armee produzierten. Ein Jahr nach Kriegsende schied er aus dieser Funktion aus und war zwischen 1946 und 1954 Minister des Beschaffungs-Ministeriums. Nach Ende seiner Ministerzeit wechselte er zur britischen Atomenergiebehörde, bei der er bereits seit dem Jahr 1946 vertreten war. Er war einer der wichtigsten Wegbereiter, der den Bau des ersten für kommerzielle Stromerzeugung eingesetzten Atomkraftwerks Großbritanniens in Calder Hall vorantrieb. Das Werk war von 1956 bis 2004 in Betrieb.

Die Leistung von jeweils 50 MW erscheint für heutige Verhältnisse vergleichsweise niedrig. Zweck der Anlage, wie der von vier weiteren im schottischen Chapelcross, war neben der Stromerzeugung die Produktion von Plutonium für britische Atomwaffen. Die Anlage zeichnete sich durch eine technische Besonderheit aus, und zwar durch die zwei mit Kohlendioxid gekühlten, graphitmoderierten Reaktoren des Magnox-Typs, die sowohl in Großbritannien als auch in anderen Ländern nur selten eingesetzt wurden. Im Jahr 1957 wechselte Hinton als Vorsitzender des Aufsichtsrats zu Central Electricity Generating Board (CEGB), der damals größten britischen Elektrizitätsgesellschaft, wo er bis 1967 tätig war.

Bis zu seiner Pensionierung 1983 war Christopher Hinton als Leiter der staatlichen britischen Aufsichtsbehörde für die Elektrizitätswirtschaft tätig. Seine großen Verdienste um die Energiewirtschaft und Kriegsindustrie erfuhren 1951 durch seine Adelung weitere Anerkennung. Ab dem Jahr 1954 gehörte er der Royal Society an, ab 1966 übernahm er die Präsidentschaft der Institution of Mechanical Engineers. Weiters wurde Hinton 1976 mit dem Order of Merit ausgezeichnet. Darüber hinaus war er auch nach seiner Pensionierung weiterhin aktiv, denn er wirkte in den Jahren 1980 bis 1983 als Chancellor der University of Bath.

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