1974

Roland Mitsche

Das wissenschaftliche Schaffen Roland Mitsches umfasst Arbeiten zu unterschiedlichen Gebieten der Metallkunde, wie Gusseisen, Aluminium- Silizium-Legierungen, Umwandlungsverhalten der Stähle, Schnellarbeitsstähle, Pulvermetallurgie, Strahlenschäden, Ermüdung und Bruch, Schadensforschung sowie Keimbildung und Kristallisation von Schmelzen.

Was Keimbildung und Kristallisation betrifft, trug Mitsche durch Entwicklung eines neuen Gusseisenschaubilds wesentlich dazu bei, ein besseres Verständnis vom räumlichen Aufbau der Graphitformen zu schaffen. Andere Arbeiten Mitsches befassten sich mit der Härteprüfung von Metallen und nichtmetallischen Stoffen unter besonderer Berücksichtigung der Mikrohärte. Das Studium von Überhitzungseffekten an Stählen und Leichtmetallen brachte ebenfalls wertvolle Hinweise für die Praxis.

Auf dem Stahlsektor befasste sich Mitsche auch mit der Entwicklung neuer Schnellstähle und die Metallographie verdankt ihm eine Weiterentwicklung der Abdruckverfahren. Mitsche war aber auch der Erste, der neben dem schlagartig auftretenden Martensit, dem Härtungsgefüge von Stählen, das durch rasches Abkühlen entsteht, einen langsam sich bildenden Typ voraussagte und nachweisen konnte. Engagiert war Mitsche aber auch bei der Verbesserung und Neuentwicklung der für die Forschung benötigten Apparate. So schuf er in Zusammenarbeit mit den in Wien ansässigen Optischen Werken C. Reichert das Korngrößenmessokular, das Mikrorefl exionsmikroskop, das Zweitischmikroskop und das Erhitzungsmikroskop. Er war Gründungsinstitutsvorstand des im Jahr 1940 geschaffenen Leobener Instituts für Metallkunde und Werkstoffprüfung, welches er bis 1975 leitete.

Sein Ziel war es auch, Plattformen für den Austausch zwischen Wissenschaftern und Praktikern zu schaffen. Er gründete 1954 die internationalen Leichtmetalltagungen in Leoben, die lange Zeit die einzigen Fachtagungen dieser Art weltweit waren. Ebenso gehen auf ihn die Leobener Metallographie-Tagungen und das jährlich stattfi ndende Metallkunde-Kolloquium am Arlberg zurück. Mitsche wurde vielfach geehrt, so erhielt er das Österreichische Ehrenkreuz für Kunst und Wissenschaft und wurde auch mit der Grande Medaille Le Chatelier Société Française de Métallurgie ausgezeichnet.

Mitsche war auch Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Metallkunde.

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