1973

Richard Kieffer

Auf den Gründer der Gesellschaft für Fertigungstechnik und Maschinenbau (GFM) in Steyr, Bruno Kralowetz, geht die Erfi ndung eines völlig neuen Schmiedeverfahren und eines Fräsverfahrens zurück. Kralowetz leistete damit einen außerordentlich wichtigen Beitrag zur Rationalisierung, Automatisierung sowie zur Prozesssicherheit. Er schloss damit eine Lücke in der Verfahrenstechnik, denn im Unterschied zur Fertigung von Stählen und Metallen konnten bis zur Erfi ndung der Langschmiedemaschine durch Kralowetz beim Schmieden nur unwesentliche Optimierungen erzielt werden.

Neu war, dass das zu schmiedende Werkstück mittels vier symmetrisch um das Werkstück angeordneter Schmiedewerkzeuge ausgeführt wurde. Darüber hinaus setzte Kralowetz auch auf frühe “Robotik”, da er die Schmiedeprogramme rechnerisch gesteuert ablaufen ließ. Diese Erfi ndung revolutionierte weltweit den Werkzeugmaschinenbau und fand ihren Niederschlag in 51 Patenten. Das Unternehmen befi ndet sich bis heute am Gründungssitz in Steyr, ist nach wie vor in Familienbesitz und gilt nach wie vor als eines der innovativsten österreichischen High-tech Unternehmen, die durch Technologieführerschaft nachhaltig den heimischen Wirtschaftsstandort sichern.

Bereits kurz nach Markteinführung wurden weltweit 60 Prozent aller erzeugten Waggonachsen auf GFM-Schmiedemaschinen hergestellt. Die Erzeugung von Gasfl aschen und Hochdruckdickwandrohren bis zehn Meter Länge erfolgte ebenso auf GFMSchmiedemaschinen wie kaltgeschmiedete Gewehrläufe oder Steckachsen für die Automobilindustrie. Die Anwendungsmöglichkeiten reichten bereits zur Zeit der Erfi ndung von einer kleinen Motorradkurbelwelle bis zu zwölf Meter langen und 20 Tonnen schweren Kurbelwellen für Schiffsdieselmotore. Die Verwendung der neuen Schmiedemaschinen brachte in Edelstahlwerken eine sechsfache Beschleunigung der Produktion gegenüber den bis dahin üblichen Verfahren. Der Bereich der zu schmiedenden Blöcke lag zwischen mehreren Kilogramm und sieben Tonnen. Die Schmiedemaschinen selbst wogen zwischen 2,8 und 1 000 Tonnen.

Als Würdigung seiner Leistungen wurde Bruno Kralowetz, der weltweit den Maschinenbau revolutioniert hatte, bei der 150- Jahr-Feier der Wiener Technischen Hochschule im November 1965 durch den Rektor die Würde eines Doktors der technischen Wissenschaften ehrenhalber verliehen.

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