1959

Reinhard Straumann

Richard Straumann galt zur Zeit der Auszeichnung als einer der bedeutendsten Uhrenfachleute weltweit. Seine Uhrentechnikerausbildung absolvierte er am Technikum in Le Locle, danach folgte eine Ingenieurausbildung an der Ecole superieure d`Aeronautique et de construction mecanique in Lausanne. Ab dem Jahr 1914, ab 1916 als technischer Leiter, war er als Konstrukteur in den Uhrenfabriken Thommen Waldenburg tätig. In seiner Freizeit studierte er die Mechanik des Skifl ugs und schuf 1926 die Grundlagen für den Bau moderner Sprungschanzen. So wirkte er auch unter anderem maßgeblich an der in Cortina d`Ampezzo für die Olympischen Winterspiele 1955 errichteten Sprungschanze “Italia” mit.

Bereits in den 20er Jahren forschte er auch über neue Werkstoffe für die Uhrenindustrie und gründete 1934 für die industrielle Auswertung seiner Forschungen in Saint-Imier (Jura) die Nivarox SA. Vier Jahre später wechselte er als Direktor und Verwaltungsratspräsident zu der auf Präzisionsdrehteile spezialisierten Tschudin und Heid AG in Waldenburg bei Basel. Innerhalb dieses Unternehmens baute Straumann ein Forschungslaboratorium zur Entwicklung neuer Materialien und Messmethoden auf. Wie in der Laudatio bemerkt wurde, zeichneten ihn “seine außerordentliche technische Phantasie, gepaart mit metallkundlichen und technischen Kenntnissen sowie sein Talent für originelle Lösungen aus. Gemeinsam mit Siemens und Halske entwickelte er eine auf einem Tonfi lmverfahren beruhende automatische Zeitansage, die erstmals 1935 bei der Berliner Post zum Einsatz kam.

In Zusammenarbeit mit der Heraeus Vacuumschmelze in Hanau (Hessen) schuf er weiters die aus Eisen, Nickel, Chrom, Titan und Beryllium bestehende Legierung Nivarox. Dieser Werkstoff löste die teurer herzustellende Kompensationsunruh ab, ermö g lichte ein stabiles Gangverhalten mechanischer Uhren und ist nahezu temperaturneutral. Unruhspiralen daraus werden heute in verschiedenen Qualitätsstufen in nahezu allen mechanischen Uhren verwendet. Auf dem Gebiet der Aufzugfeder entwickelte Strauman weiters einen Werkstoff für eine unzerbrechliche, unmagnetische korrosionsfeste Zugfeder, die sich durch eine außergewöhnliche Elastizität auszeichnete. Wertvolle Dienste leistete dabei ein von ihm entwickeltes Federprüfverfahren, das der sicheren Ermittlung der Federeigenschaften in kurzen Bandabschnitten diente. Straumann wurde für seine Forschungen vielfach geehrt, unter anderem im Jahr 1961 als Honorar-Professor der TH Stuttgart.

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