2011 | Nobelpreis Gewinner

Manfred Eigen

vlnr.: ÖGV Präsidentin KommR Margarete Kriz-Zwittkovits, Manfred Eigen, Bundesminister für Wissenschaft Karlheinz Töchterle, Geschäftsführer der Wilhelm Exner Medaillen Stiftung Uwe Sleytr

Hyperzyklus, zyklische Verknüpfung von Reaktionszyklen als Erklärung für die Selbstorganisation von präbiotischen Systemen und der Eigen-Wilkins-Mechanismus.

Jahrgang 1927, galt Manfred Eigens Interessensschwerpunkt zunächst den schnellen chemischen Reaktionen, die von vielen Physikochemikern des öfteren als “unmessbar schnell” apostrophiert wurden. Er entwickelte die Relaxationskinetik, mit deren Hilfe die zeitliche Auflösungsgrenze für chemische Prozesse um viele Zehnerpotenzen zu kürzeren Zeiten verschoben werden konnte. Relaxationskinetik: Anstatt den Prozess durch Mischen zweier Lösungen zu starten, wird ein im Gleichgewicht befindliches System durch Änderung eines äußeren Parameters gestört und die Rückkehr in den Gleichgewichtszustand verfolgt. Da man sich den relativ langsamen Mischvorgang erspart, wird das zeitliche Auflösungsvermögen in der Relaxationskinetik um viele Zehnerpotenzen gesteigert. 1967 erhielt Manfred Eigen den Nobelpreis für Chemie in Würdigung seiner bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der Relaxationskinetik.

Ab 1970 begann sich Eigen für die Anwendung der chemischen Relaxationskinetik auf die brennenden Probleme der Biologie zu interessieren: Wie wird die Dynamik evolutionärer Prozesse durch die physikalischen und chemischen Eigenschaften der evolvierenden Einheiten bestimmt? Wie schafft es die Natur, die faszinierenden Anpassungen der Lebewesen an ihre Umwelt hervorzubringen? Welche Mechanismen bewirken, dass die biologische Evolution zu immer komplexeren Organismen führt? Die grundlegende Idee und das Ziel waren damals und sind es auch noch heute, eine Evolutionstheorie auf molekularbiologischem Wissen aufzubauen, um ein tieferes Verstehen der Natur zu erreichen – ganz im Sinne von Theodosius Dobzhanskys berühmtem Satz: “Nichts macht Sinn in der Biologie, außer im Lichte der Evolution”.

Mitbegründer von Evotec

Eigen studierte insbesondere das Verhalten von Nukleinsäuren, die durch Polymerase vervielfältigt und durch Nukleasen wieder abgebaut werden. Durch Wiederholung der Abbau- und Aufbau-zyklen kam es zum Aufbau von Nukleinsäuren, die durch Mutation gegen den Abbau durch die Nukleasen resistent waren. Wobei diese Evolutionsexperimente oft nur wenige Stunden dauerten. Diese Versuche führten auch zur Entwicklung sogenannter Evolutionsmaschinen, die eine große Zahl von Anwendungen haben. Beispielsweise von der evolutionären Biotechnologie bis zur Entwicklung neuer Medikamente im Kampf gegen virale Infektionen.

Besonders erwähnenswert ist Eigens Rolle als einer der Gründungsväter der Biotechfirma Evotec, die sich zum Unterschied von den meisten anderen Betrieben dieser Art als ein erfolgreiches Unternehmen nunmehr schon fast zwanzig Jahre lang behaupten konnte.

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