2013

Joseph M Jacobson

Einführend möchte ich erwähnen, dass Prof. Jacobson bereits im Jahr 1999 vom Technology Review Magazine zu den 100 einflussreichsten Innovatoren, die unter 35 Jahre alt sind, gezählt wurde. Begründet wurde dies mit seiner Arbeit über die “Mikrosphären”-Technologie, die zur Entwicklung der “e- ink” geführt hat, jener Technologien, die den elektronischen Büchern zugrunde liegt.

Jacobson promovierte am MIT über Femtosekunden-Laser. Er entwickelte 1991 den weltweit kürzesten Pulslaser. Als Postdoctorial Fellow am Institut für Quantenoptik der Universität Stanford arbeitete er an experimentellen und theoretischen, nichtlinearen, nicht-lokalen Quantensystemen.

Heute leitet er die Media Lab’s Molecular Machines research group des Massachusetts Institute of Technology, wo er die Molekulare Maschinen-Gruppe führt. Er hat mehr als 70 wissenschaftliche Publikationen und Konferenzbeiträge in den Bereichen Femtosekundenlaser, Quantenoptik, molekulare Elektronik, Nanochemie und synthetische DNA verfasst. In der Privatwirtschaft war Jacobson technischer Gründer von „E Ink Cooperation Kovio Inc.“ und von „Gen9“ und war ein Gründungsmitglied des One Laptop Per Child (OLPC), der Organisation, die auf die Entwicklung eines 100 US $-Laptops für Kinder ausgerichtet ist.

Seine Gruppe am MIT ist auf die Fertigung der Zukunft ausgerichtet und hat mit „Complexity Per Unit Cost“ eine Metrik definiert, die sehr komplexe und nützliche Dinge zu den niedrigsten Kosten, die die Physik heute erlaubt, misst. Zum Beispiel konnte diese bei Konsumgütern angewandt werden, wie bei der elektronischen Tinte, die Jacobsons Gruppe entwickelte, jener Technologie, die hinter vielen der weltweit verbreiteten E-Bücher, wie dem Amazon Kindle, stehen. Auch bei der Halbleitertechnologie leistet seine Gruppe Pionierarbeit auf dem Gebiet der gedruckten, anorganischen Elektronik. Ein weiteres Feld ist die synthetische Biologie, wo er und seine Co-Gründer das erste „next generation gen fab” entwickelte, um Gene zu synthetisieren, um Organismen, neue Arzneimittel und erneuerbaren Materialien und Kraftstoffe programmiert zu bauen.

Basierend auf der Suche nach niedrigsten Fertigungskosten für Unterhaltungselektronik und Informationseinrichtungen, die Millionen von Menschen verwenden können, entwickelt Joseph Jacobson elektronische Tinte, die Bildschirmgeräte erlaubt, die Druckern zu niedrigsten Kosten hergestellt werden.

In einer aktuellen Werbung in China heißt es: „A good book, you only need one. Electronic book, one book equals 10,000 books“. Und weiter: „Das elektronische Buch wurde am MIT nach vielen Jahren schier endloser Anstrengung erfunden. Es beendet die historische Aussage des Erfinders des Papiers Chai Len. „Ohne Papier, kann kein Buch sein.“

In diesem Zusammenhang möchte ich eine technologische Bemerkung ergänzen: Die E-Ink-Technologie arbeitet über kleine Teilchen, die Farbe ändern, wenn sie elektronischer Ladungen ausgesetzt sind. Diese Displays arbeiten mit Umgebungslicht statt der gewohnten, energieverzehrenden Hintergrundbeleuchtung und verbrauchen daher nur Strom, wenn der Leser umblättert. Mit wochenlangen Akkulaufzeiten und der schier unerschöpfliche Speicherkapazität revolutionieren E-Books die Verlagsbranche. Als Industrie-Standard in Millionen elektronischer Lesegeräte auf der ganzen Welt, gibt elektronische Tinte Lesern Zugriff auf eine beispiellose Menge von Wissen. Schüler können heute auf tausende, kostenlose Bücher zugreifen.

Konnten 2011 rund um den Globus 14,7 Millionen E-Reader verkauft werden, so wird der heutige Markt für digitale Bücher auf 3 Mrd. Einheiten pro Jahr geschätzt. Die digitale Verbreitung von Büchern reduziert den ökologischen Fußabdruck der Verlagsbranche und hat einen viel niedrigeren Durchschnittspreis ermöglicht.

Die E-Ink/E-Book-Erfindung hat eine Veränderung hervorgerufen, die in der menschlichen Zivilisation nur selten auftritt. Sie stellt ein wunderbares Beispiel für den Geist der Wilhelm-Exner-Medaille dar, da sie neue Industrien aus Entdeckung und Wissen schafft!

Neben E Ink Inc. haben Jacobson und sein Team eine Reihe von bedruckbarer, elektronisch aktiver Chemie entwickelt, darunter voll funktionsfähige Halbleiterbauelemente und deren Logik, die durch Drucken hergestellt werden kann. Deutlich niedriger bei den Kosten als Photolithographie, erlaubt solch gedruckte Elektronik, dass „Intelligenz“ in Alltagsgegenstände, wie zum Beispiel in Lebensmittelverpackungen, um die Sicherheit ihrer Inhalte zu überwachen, eingebettet wird.

So wie Prof. Jacobson neue Ansätze zur Herstellung von bekannten Technologien wie Displays und Halbleiterchips entwickeln konnte, ist es ihm auch gelungen ganz neue Forschungsbereiche, besonders in der synthetischen Biologie zu entwickeln. Hierbei werden synthetische Gene verwendet, um Mikroorganismen so zu programmieren, dass sie neue Arzneimittel sowie erneuerbare Materialien, Polymere und Kraftstoffe produzieren. Unter Anwendung seiner „Complexity Per Unit Cost“ konnte Jacobson und seinen Mitgründern das erste „next generation fab“ für synthetische Biologie, wo Gene von Chips gebaut werden.

Zusammenfassend ist es mir eine große Ehre, Prof. Joseph Jacobson für seine Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft mit der Wilhelm-Exner-Medaille auszuzeichnen.

Laudatio: em. o.Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Uwe B. Sleytr
Geschäftsführer der Wilhelm-Exner-Medaillen-Stiftung

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