2002

Hermann Katinger

Schnittstellen von Technologie und Wirtschaft zu erkennen und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen zeichnet Hermann Katinger aus, der an der Hochschule für Bodenkultur studierte. Auf ihn geht der Aufbau des Institutes für Angewandte Mikrobiologie (IAM) zu einem weltweit anerkannten Center of Excellence der modernen Biotechnologie zurück.

Seine Pionierleistungen zur Produktion von Biopharmazeutika mit Säugetierzellen und deren Entwicklung in die industrielle Massenproduktion einzuführen sowie die Gründung einer innovativen immunbiologischen F&E-Firma, der Polymun Scientific GmbH, mit sehr attraktiven Technologieplattformen und Produktpaletten zeigt das breite Spektrum, in dem sich Hermann Katinger bewegt. Er erkannte frühzeitig die Potenziale der Biologie, hatte Ideen zur Realisierung und den Mut, ein modernes Methodengefüge einzuführen. Er adaptierte die traditionelle Bioingenieurtätigkeit insoweit, dass sie zur Problemlösung und Zusammenarbeit mit unternehmerischen Partnern aus der Industrie tauglich wurde. Das IAM, vor Katingers Restrukturierungsmaßnahmen eine auf das Gärungsgewerbe – für Bier, Hefe, Alkohol, Zitronensäure und Antibiotikafermentation – spezialisierte Einrichtung, hat sich über die Jahre hin zu einer Institution entwickelt, aus der vielfältiges Know How fließt zur Biomatisierung der Technologie, sei es auf dem Gebiet der Biopharmazeutika oder in der Alterungsforschung, bei Problemlösungen durch Umweltbiotechnologie oder in der Pflanzenbiotechnologie. Am IAM wurde weltweit der erste transgene Baum hergestellt, ein wissenschaftlicher Durchbruch, der nicht nur nicht belohnt, sondern massiv kritisiert wurde. Nicht zu trennen von der positiven Entwicklung des IAM ist Hermann Katingers Interesse an der Nutzung von Säugetierzellen für die industrielle Produktion von Biopharmazeutika.

Katinger hatte von den Pharmaunternehmen Bender & Co., heute Boehringer Ingelheim AG, Mitte der 70er Jahre die Chance erhalten, die erste industrielle Produktionsanlage auf Basis von Säugetierzellen zu planen und zu realisieren. Das war zu dem Zeitpunkt eine epochemachende Investition eines relativ kleinen Unternehmens mit einem enormen Vertrauensvorschuss. Tatsache ist, dass dieses Experiment die Geburt einer Welttechnologie beförderte, denn heute werden mehr als 80 Prozent der Biopharmaka auf dieser Basis hergestellt und Boehringer Ingelheim gehört heute zu den weltgrößten Produzenten in diesem Segment.

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