1999

Henry Baltes

Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2006 war Henry Baltes Leiter des Labors für Physikalische Elektronik und seit 1988 ordentlicher Professor für Physikalische Elektronik am Institut für Quantenelektronik der ETH Zürich. Er zählt zu den international anerkanntesten Experten auf dem Fachgebiet der Mikroelektronik. Baltes, der selbst an der ETH Physik studiert und im Jahr 1971 promoviert hatte, arbeitete danach in der Schweizer Industrie, lehrte aber auch an der Ecole Polytechnique Fédérale in Lausanne.

Baltes betätigte sich aber nicht nur als Lehrender, sondern war auch Mitgründer des seit 1998 bestehenden Schweizer Spin-off Sensirion, das mittlerweile 80 Mitarbeiter beschäftigt. Kernkompetenz des Unternehmens ist die Sensortechnik. Baltes und seine Mitarbeiter an der ETH Zürich entwickelten Sensorchips, wie beispielsweise für die Messung von Luftströmung, Temperatur, Luftdruck, Magnetfelder, Infrarot und Ultraviolettstrahlung, Viskosität, Ultraschall oder Füllständen. Es handelt sich dabei um Siliziumchips, auf denen winzige Sensorelemente mit elektronischen Schaltungen integriert sind, was eine kostengünstige Massenproduktion mit im wesentlichen bereits bestehenden Fabrikationsanlagen erlaubt. Die Entwicklung dieser Chips hatten die Züricher Forscher bereits so weit perfektioniert, dass die Schaltungen die Sensorsignale störungsfrei auswerteten. In Zusammenarbeit mit dem Tübinger Physiker Wolfgang Göpel entstand die “Mikronase”, ein “Taschenrechner mit Geruchssinn”, der vor gesundheitsschädlichen Luftbestandteilen warnt. Baltes Aufgabe war es, die von Göpel bereits entwickelte Technologie, die Großgeräte benötigte, zu verkleinern. War zuvor ein Tischcomputer notwendig, sitzen bei der durch Baltes vorangetriebenen Entwicklung sowohl die Sensoren als auch die Elektronik auf einem einzigen Chip. Die Funktionsweise besteht darin, dass so genannte Transducer, dabei handelt es sich um kleine Sensoren in einem Chip, mit speziellen Kunststoffverbindungen beschichtet werden, an die sich die Geruchsmoleküle binden können, die daraufhin spezifische elektrische Signale an den Auswertungscomputer senden. Die Anwendungsgebiete sind vielfältig, so kann neben sicherheitsrelevanten Einsatzgebieten beispielsweise auch die Gärung von Bier oder die Reifung von Joghurt oder Käse überwacht und gesteuert werden. Denkbar ist aber auch der Einsatz in Kläranlagen, denn nun lassen sich erstmals Geruchsbelästigungen auch durch objektive Messungen beweisen.

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