2013

Heinz Redl

Univ. Prof. Dipl.-Ing. Dr. Heinz Redl ist Jahrgang 1952 und studierte etwa 200 Meter vom Österreichischen Gewerbeverein entfernt, an der TU Wien Technische Chemie im Rahmen des Studienzweiges Biochemie. Sein erfolgreiches Wirken begann eigentlich mit seiner Tätigkeit als Vertrags- und später Universitätsassistent am Institut für Botanik und Technische Mikroskopie. Durch die Arbeiten an den damals ganz neuen Rasterelektronenmikroskopischen-Präparationstechniken für biologische Proben, ergab sich durch Zufall auch der Kontakt mit der Medizin und in der Folge die Möglichkeit zur Mitarbeit in der gerade gegründeten Traumaforschungsabteilung der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt (AUVA) im Lorenz Böhler Krankenhaus. Einfacher ausgedrückt: Der junge Redl ist in die Medizin abgeglitten. Er konnte beginnend mit 1974 seine hohe wissenschaftliche Begabung im AUVA Forschungszentrum ausleben. 1980 wurde auch das Ludwig-Boltzmann Institut für Traumatologie gegründet; zunächst unter der Leitung seines Mentors, den Institutsgründer Prof. Schlag. Das wesentliche Ziel des Zentrums ist die Verbesserung der diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten für Unfallpatienten, besonders Patienten nach Arbeitsunfällen.

In diesem Zusammenhang muss bewusst gemacht werden, dass Trauma speziell auch jüngere Generationen betrifft und somit einen großen volkswirtschaftlichen Schaden verursacht. Insgesamt ist das Ziel, die Lebensqualität der Patienten zu verbessern und sie wieder schneller in den Arbeitsprozess einzugliedern.

Es würde den Rahmen sprengen, wenn ich hier alle Projekte und Themenstellungen aufzählen würde, die das Team mit und um Heinz Redl bearbeitet. Es soll aber im Zusammenhang mit der Zuerkennung der Wilhelm Exner Medaille betont werden, dass die Projekte vor allem auch translationalen Charakter haben. Ich möchte nur einige wenige Beispiele hervorheben die zudem die Bandbreite der Intensivmedizin reflektieren. Wichtige Forschungsthemen sind beispielsweise:

Die Kontrolle und Therapie der Gerinnungsstörungen bei Schwerstverletzten; Das Monitoring und darauf beruhende Therapien der Sepsis; Bakterientranslozierung als Auslöser von Organversagen; Bereiche der Geweberegeneration; Die Überbrückung von Nervendefekten; Schnellere Nervenrehabilitation durch neues Feedbacktraining; Neue Ansätze zur Blutstillung; Schnellere Wundheilung durch Wachstumsfaktoren, aber auch biophysikalische Maßnahmen wie Licht oder Stoßwellen; Ersatz des Kreuzbandes mit Seide… aber beispielsweise auch die Stammzellenforschung.

Ein besonderer Schwerpunkt seiner Tätigkeit ist die nationale und internationale Vernetzung. So gründete er 2006 den österr. Cluster für Geweberegeneration mit jetzt bereits 12 Arbeitsgruppen und mehr als 50 wissenschaftlichen Mitgliedern. Ziele des Clusters sind ein besseres Verständnis der Regeneration von Weichteilen, Knorpel, Knochen und Nerven und darauf aufbauend neue bzw. verbesserte Diagnose- und Behandlungsmethoden. Durch die Zusammenführung der verschiedentlich spezialisierten Forschergruppen im Cluster ist es möglich, fächerübergreifend ein breites Spektrum an Methoden anzubieten. Durch die Partnerschaft mit der Blutbank des Roten Kreuz Oberösterreichs besteht zusätzlich die Möglichkeit, humane Zellen und Gewebe auch unter GMP Bedingungen zu präparieren. Im Bereich der Geweberegeneration konnte er auch 2012 den größten Weltkongress für Tissue Engineering und Regenerative Medicine ….kurz…..TERMIS nach Wien in die Hofburg bringen und wird ab 2015 Präsident der europäischen TERMIS-EU Gesellschaft sein.

Sein technisches und wirtschaftliches Verständnis bringt Prof. Redl als Konsulent in das erste österreichische Uni Spinoff Unternehmen, die Österreichischen Haemoderivate … bekannt als die Firma Immuno, ein. Hier stand vor allem die Unterstützung der Entwicklung des Gewebe-Fibrinklebesystems im Vordergrund mit besonderem Schwerpunkt auf der Entwicklung von patentierten Applikationsgeräten. Diese wurden mit KMUs, wie die Firmen Biegler und Goller im Wiener Raum, entwickelt und gefertigt.

Nach seiner Bestellung zum Leiter des Ludwig Boltzmann Instituts für experimentelle und klinische Traumatologie, gründete er für Industriekooperationen die Firma Trauma Care Consult, die er auch seither leitet. Diese Firma ist auf präklinische Untersuchungen und die Unterstützung von Produktregistrierungen im unfallchirurgischen Bereich sowie der regenerativen Medizin spezialisiert.

Meine Darstellung zu den Leistungen von Prof. Redl ist nur bruchstückhaft, aber ich möchte noch hinzufügen, dass er neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit und seinen technologischen Entwicklungsarbeiten ein national und international sehr begehrter Experte und Gutachter ist.

Ich kann zusammenfassen:
Mit Prof. Redl wird ein gleichsam „maßgeschneiderter“ Kandidat mit der Wilhelm Exner Medaille ausgezeichnet. In seiner Person vereinigt sich der Forscher und Ingenieur mit der Begabung im Bereich des Techniktransfers. Und schließlich erscheint mir ganz wesentlich noch auf weitere Eigenschaften des Laureaten zu verweisen. Heinz Redl ist eine sprühende, intellektuell mitreißende und stimulierende Persönlichkeit, die zudem bei zwischenmenschlichen Beziehungen neben der gelebten Kompetenz ein hohes Maß an Vertrauen vermittelt….sehr persönlich gesprochen: Diesen Chef hätte ich mir als junger Wissenschaftler auch ausgesucht.

Laudatio: em. o.Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Uwe B. Sleytr
Geschäftsführer der Wilhelm-Exner-Medaillen-Stiftung

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