1969

Hans Nowotny

Der Exner-Laureat erarbeitete am Institut für Physikalische Chemie der Wiener Universität, an der er auch studiert hatte, neue und umfassende Beiträge zur Festkörperchemie. Durch seine Forschungen über die atomare Architektur zahlreicher Verbindungen in Legierungen und in metallischen Hartstoffen schuf er auf dem empirischen Gebiet der Legierungschemie Leitlinien für eine gezielte Stoffentwicklung. Um die Eigenschaften von Stoffkombinationen und deren Rolle in technischen Produkten abschätzen zu können, war es notwendig, feste Stoffe durch ihren Feinbau zu charakterisieren und sie in Strukturklassen einzuteilen.

Erstmalig wurden von Nowotny die Hartstoffkomponenten der technischen Schneidmetalle und analoger hochschmelzender Stoffe systematisch untersucht. Weiters beschäftigte er sich aber auch mit Fragen der Stabilisierung von Urancarbid mittels anderer Carbide für Hochtemperatur-Kernreaktoren. In der Werkstoffforschung, Energietechnik, Festkörperchemie, Kristallzüchtung oder Metallurgie werden Hochtemperaturöfen benötigt. Für Temperaturen über 1600 Grad eignet sich ausschließlich Molybdändisilicid, dessen Entwicklung auf den systematischen Forschungen über Metallsilicide beruht. Nowotnys Forschungen über die Existenz typischer Strukturelemente führten zur Auffindung mehrerer hundert solcher komplexer Carbide, Nitride und verwandter Verbindungen. Fortschritte konnten von Nowotny auch in der strukturchemischen Aufklärung von germaniumoxidhaltigen Verbindungen erzielt werden, die einerseits als einfache Modellsubstanzen für Austauschreaktionen, andererseits für Laseranwendungen interessant waren. In seiner Forscherlaufbahn arbeitete Nowotny unter anderem auch über Verschleiß durch Kavitation. Häufigste Ursache von Kavitation sind schnell bewegte Objekte im Wasser wie Laufräder von Kreiselpumpen. Erstmals konnte er darauf hinweisen, dass es sich dabei nicht, wie bis dahin angenommen, um ein mechanisches, sondern ein physikalisch-chemisches Phänomen handelt.

Nowotny war international an mehreren Universitäten als Gastprofessor tätig, so unter anderem an der University of California, in Amsterdam sowie an der Sorbonne in Paris. Unter seinen zahlreichen Auszeichnungen und Ehrungen sind die Lavoisier-Medaille der Society chimique de France, die Medaille der Université Libre de Bruxelles, die Lebeau-Medaille der nationalen französischen Forschungsorganisation sowie ein Ehrendoktorat der Montanis tischen Hochschule Leoben zu erwähnen.

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