1953

Hans Lieb

In rund 80 Einzelveröffentlichungen auf dem Gebiet der quantitativen Mikroanalyse und der präparativen organischen Synthese zeigte der Exner-Laureat des Jahres 1953 völlig neue Wege. Er verfasste gemeinsam mit seinem Assistenten Wolfgang Schöniger (1920-1971) das zu seiner Zeit wegweisende Werk “Anleitung zur Darstellung organischer Präparate mit kleinen Substanzmengen”. Lieb kam mit seinem zukünftigen Spezialgebiet erstmals im Jahr 1912 während der Tätigkeit als Assistent des Innsbrucker Universitätsprofessors Fritz Pregl (1869-1930) und damaligen Leiters des dortigen Medizinisch-Chemischen Instituts in Berührung.

Die Assistentenstelle bei Pregl war Liebs erste Karrierestation, nachdem er 1912 an der Universität Graz in den Studienfächern Chemie und Naturwissenschaften promoviert hatte. Auf Pregl gehen jene Untersuchungsmethoden zurück, die es erst möglich machten, auch mit kleinsten Probenmengen, wie sie in der Regel für klinisch-chemische Untersuchungen zur Verfügung stehen, exakte Analysen durchzuführen. Pregls Arbeiten führten zu einem nachhaltigen Fortschritt in der Stoffwechsel-, Hormon- und Enzymforschung, die von Lieb weitergeführt wurde.

Seine wissenschaftlichen Erkenntnisse fanden auch rasch den Weg in die industrielle Praxis, vor allem für die Untersuchung von Roh- und Betriebsmaterialien sowie von Fertigprodukten der gewerblichen Wirtschaft. Im Jahr 1923 wurde Pregl an die Universität Graz berufen, wo er die Leitung des Medizinischen Instituts übernahm. Lieb folgte Pregl nach Graz, hielt Vorlesungen über angewandte medizinische Chemie und absolvierte zusätzlich in den Jahren 1916 bis 1922 in Graz ein Medizinstudium. 1924 erfolgte in Graz die Berufung zum Professor der physiologischen Chemie. Als Pregl 1931 emeritierte, wurde Lieb dessen Nachfolger als Vorstand des Medizinisch-Chemischen Institutes der Universität Graz. Er erweiterte die Forschungsschwerpunkte des Instituts um die Gebiete der physiologischen Chemie und der Naturstoffe und machte es auf dem Gebiete der organischen Mikroanalyse zu einer international renommierten Forschungseinrichtung.

In den Jahren 1935/36 und 1945/46 war Lieb Dekan der Medizinischen Fakultät in Graz und vor und nach dem Zweiten Weltkrieg Mitglied des Obersten Sanitätsrates. 1950 erhielt er von der Österreichischen Akademie der Wissenschaft den Fritz Pregl-Preis. Lieb war über seine Emeritierung hinaus, die im Jahr 1955 erfolgte, sowohl wissenschaftlich als auch als Gutachter aktiv.

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