1983

Ernst Brandl

Was die praxisbezogene Forschung betrifft, gilt Ernst Brandl als einer der großen Innovatoren unter Österreichs Wissenschaftern. Auf ihn geht die Entwicklung des säurefesten Penizillins zurück. Besondere Eigenschaft dieses Wirkstoffs ist, dass er auch oral verabreicht werden kann. Schon während des Chemie- und Botanikstudiums an der Innsbrucker Universität arbeitete Brandl bei der Biochemie Kundl, dem jetzt zu Sandoz gehörenden Unternehmen.

Ernst Brandl schreibt in seinen Erinnerungen, “dass das freie Kantinenessen mir als zusätzliches Geschenk dafür erschien, dass ich mit einem neuen Fach Bekanntschaft schließen durfte, nämlich der angewandten Mikrobiologie”.

Sofort nach seiner Promotion im November 1951 setzte er in Kundl jene Versuche in Gang, die dann an der Jahreswende 1951/52 zur Entdeckung des Penizillin V führen sollten. Die Entdeckung beruhte auf Versuchen, die der Ausscheidung von Infektions erregern aus dem Produktionsprozess dienten sollten. Brandl untersuchte die Wirkung von Desinfektionsmitteln auf die Fermentationslösungen.

Bei seinen Untersuchungen fiel ihm auf, dass eine bestimmte chemische Substanz den Penicillinpilz zu einem vermehrten Wachstum anregte. Nicht nur anregte, sondern auch, dass der Pilz während dieses Prozesses große Mengen eines Produktes mit stark erhöhter Aktivität ausschied. Untersucht wurde Brandls Entdeckung vom ebenfalls bei Kundl beschäftigten Innsbrucker Chemiker Hans Magreiter (1923-1968), dem der Nachweis gelang, dass die von Brandl entdeckte Substanz ein säurestabiles Penicillin war, das durch die Magensäure nicht zersetzt werden kann.

Dieses neue Penicillin V – V steht für Victory – kam 1953 unter dem Namen “Ospen” in den Handel und war eine Weltsensation. Ab 1954 konnte die Biochemie Kundl den Penicillinbedarf Österreichs decken. Im Lebenswerk Ernst Brandls findet sich aber auch ein breites Spektrum von bedeutenden Beiträgen auf den Gebieten der Antibiotika, Enzyme, Alkaloide und anderer Naturstoffe, die von wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Bedeutung sind.

Ernst Brandl lehrte auch als Außerordentlicher Professor an der Technischen Universität Wien. Er erhielt zahlreiche Ehrungen, so war er Honorarprofessor der Universität Innsbruck und ihm wurde unter anderem die Auer von Welsbach-Medaille sowie der Bristol Award for Anti-infective Research verliehen.

Zurück zur Übersicht