1959

Carl Wagner

Grundlagenforschung und angewandte Forschung sind die bestimmenden Merkmale von Carl Wagners wissenschaftlichen Arbeiten. Er wurde durch seine wesentlichen Beiträge zur Thermodynamik der Legierungssysteme zu einem der Wegbereiter moderner Metallchemie und Metallurgie. Wie der Exner-Medaillenträger von 1969 Hans Nowotny in seinem Nachruf schrieb, war “Carl Wagners Arbeitsstil einzigartig: Klare Modelle wurden einer perfekten mathematischen Analyse unterworfen, was gleichsam wie im Automaten ablief. Das Experiment zur Verifi zierung der Theorie sollte ebenso einfach wie das Modell sein”.

Bereits Wagners Vater arbeitete als Assistent bei dem Nobelpreisträger von 1909 und Wilhelm-Exner-Medaillenträger von 1923 Wilhelm Ostwald. Wagner wuchs sozusagen im “Zentrum der physikalischen Chemie” auf und studierte an der Universität Leipzig, wo er 1924 promovierte. Danach war er zwischen 1924 und 1927 Assistent an der Universität München, wechselte dann an das Bodensteinsche Institut in Berlin.

Dort wies ihn der Chemiker Wilhelm Jost (1903-1988) auf die Diffusions- und Reaktionsvorgänge im Festkörper hin. Mit der Erkenntnis, dass Fehlordnung im Kristall eine Erscheinung des inneren Gleichgewichtes ist, gelang Carl Wagner bereits vor dem Zweiten Weltkrieg der entscheidende Schritt zur Aufklärung der Reaktionsmechanismen in und an Festkörpern. In Folge habilitierte sich Wagner an der Universität Jena und arbeitete ab dem Wintersemester 1927 als Dozent an dieser Universität.

Im Jahr 1934 erhielt er die Berufung als Professor an die Technische Hochschule Darmstadt. Dort forschte er vorwiegend über die technisch wichtigen Vorgänge des Anlaufens und der Oxydation von Metallen und Legierungen. Ab dem Jahr 1945 war er für die USA in dem im gleichen Jahr in Texas geschaffenen Raketentestgelände Fort Bliss tätig. Ab 1949 wurde er als Professor an das Massachusetts Institute of Technology berufen.

1957 kehrte er wieder nach Deutschland zurück, wo er in Göttingen Direktor des Max-Planck-Instituts für physikalische Chemie wurde. Carl Wagner erhielt zahlreiche Ehrungen, so mehrere Ehrendoktorate, er war Ehrenmitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Weiters war er Inhaber der Bunsen-Denkmünze, der Palladium-Medaille und der Gauß-Medaille. Wie Nowotny schrieb, “waren manche der Meinung, seine Leistungen wären noch höherer Auszeichnungen würdig gewesen”.

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