2010

Bertil Anderson

Bertil Andersson wurde 1948 in Finspång, Schweden, geboren. Er studierte Biochemie an der Umeå Universität, Schweden, und promovierte und habilitierte sich 1978 bzw. 1982 an der Universität Lund. Seine steile Karriere verlief zunächst über eine Professur an der Universität Stockholm, wo er in der Folge auch Leiter des Departments für Biochemie und Dekan der Fakultät für chemische Wissenschaften wurde. 1999, also im blühenden Alter von 51 Jahren, wurde er Rektor der Linköping Universität. Ungeachtet des verlockenden Angebotes, die Position des Rektors der Universität Stockholm zu übernehmen, wechselte er in die internationale forschungspolitische Funktion eines CEO der “European Science Foundation” in Strassburg. Eine Position, die er bis 2007 inne hatte, um in der Folge das Amt des Provost der prominenten Nanyang Technological University in Singapur zu übernehmen. Wie schon erwähnt, wurde Bertil Andersson vor kurzem zum Rektor dieser Universität gewählt.
Bevor ich aber die zahlreichen Funktionen und die für die Zuerkennung der Exner Medaille relevanten Leistungen des Laureaten berichte, möchte ich natürlich auch die wissenschaftlichen Aspekte seiner Arbeiten hervorheben.
Bertil Andersson ist ein Pflanzenbiochemiker mit höchstem internationalen Ansehen. Er hat über 300 wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Photosyntheseforschung, Biomembranen, Protein- und Membranreinigung sowie Einfluss von Lichtstress auf Pflanzen verfasst, die bisher über elftausendmal zitiert wurden.
In einer Schlüsselarbeit hat er den Nachweis über die räumliche Trennung der zwei Photosynthesesysteme in der oxygenen Photosynthese erbracht. Dieser Nachweis war ganz entscheidend für das Verständnis des molekularen Aufbaues von Photosynthesemembranen und ist heute in allen Lehrbüchern der Biochemie und Physiologie der Pflanzen berücksichtigt. Weiters war er der Erste, der zwei Proteine nachgewiesen hat, die an der Oxydation von photosynthetischem Wasser beteiligt sind, und somit an einem der bedeutendsten biochemischen Prozesse für das Ökosystem Erde mitwirken. Bei diesem Prozess entsteht nämlich molekularer Sauerstoff. Sollte es nämlich gelingen, die photosynthetische Wasseroxydation technologisch zu nutzen, könnte diese Erfindung der Natur wesentlich zur Lösung der Energieproblematik der Welt beitragen.
Weitere wesentliche Arbeiten betreffen die Mechanismen des lichtinduzierten Schadens des Photosystems 2 und damit eine Erklärung für den Lichtstress von Pflanzen. Um das Echo seiner Arbeiten in der Scientific Community zu illustrieren, möchte ich hervorheben, dass eine Arbeit zu diesem Thema seit 1993 bereits über tausendmal zitiert wurde. Zur allgemeinen Erklärung: WissenschaftlerInnen messen sich nach der Häufigkeit der Zitierungen ihrer Arbeiten in den Publikationen anderer Forscher!

Bertil Andersson kann natürlich – so wie Ada Yonath – auf zahlreiche wissenschaftliche Auszeichnungen und Ehrungen verweisen. Er ist zudem Mitglied zahlreicher Akademien und besonders in nationalen und internationalen Forschungsorganisationen involviert. Allein diese Aufzählung würde meinen zeitlich vorgegebenen Rahmen sprengen. Einen Aspekt möchte ich aber doch hervorheben – und hier manifestiert sich eine direkte Verbindung zu Ada Yonath: Bertil Andersson war Präsident der “Sektion für Chemie” der Königlichen Schwedischen Akademie der Wissenschaften von 1998 bis 2003 und Mitglied des Boards der Nobel Foundation von 2000 bis 2006, sowie in der Folge Mitglied und Vorsitzender des Nobel Committees für Chemie und Mitglied des Nobel Trustees Board (also Kuratoriums). Ich erinnere, Ada Yonath hat ja 2009 den Nobelpreis für Chemie erhalten. Eine zufällige Verschränkung, die in der Geschichte der Wilhelm Exner Medaille bisher noch nicht vorkam.

Mit Bertil Anderson wird heute aber nicht nur ein hervorragender Wissenschaftler und international anerkannter und geschätzter Wissenschaftsmanager ausgezeichnet. Er hat sich auch Zeit seines beruflichen Lebens dafür interessiert und engagiert, dass wissenschaftliche Ergebnisse in Anwendungen münden und in neue Technologien umgesetzt werden. Schon in seiner Zeit als Präsident der Linköping Universität war er involviert in die Spin-offs mehrerer kleiner Biotech-Firmen aus seinem wissenschaftlichen Umfeld und war beratend tätig für mehrere Unternehmen aus den Bereichen Biotech und Pharma. In jüngster Zeit wurde dieser Aspekt seines Engagements für Wissenschaft und die Umsetzung wissenschaftlicher Ergebnisse in Innovationen am Markt immer deutlicher, da er sich als Provost der Nanyang Technological University in Singapur in einem Umfeld bewegt, das ein ganz besonderes Augenmerk auf den Transfer von Technologie in den Markt hinein entwickelt hat. Hier hat sich Bertil Andersson in besonderer Weise um Themen wie “Technopreneurship”, also der Symbiose von Technologie und Entrepreneurship, um die Sensibilisierung junger Studierender und dem akademischen Nachwuchs ganz allgemein für Anwendungsperspektiven ihrer wissenschaftlichen Arbeit, durch besondere Ausbildungsprogramme in den Bereichen: Management von Technologie, Schutz von geistigem Eigentum, dem Schreiben von Business Plänen, etc. verdient gemacht. Auch dieser wichtige Teil seines Lebenswerkes wird mit der heutigen Verleihung der Exner Medaille in besonderer Weise gewürdigt.

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