1955

Bernhard Moritz Gerbel

Bernhard Gerbel schloss im Jahr 1902 seine Studien an der Technischen Hochschule Wien ab und war seitdem ununterbrochen auf dem Gebiete des Maschinenbaues und der Elektrotechnik tätig. Nach einer kurzen Anstellung bei der Nordwestbahn-Direktion in Wien wurde er Dampfkesselinspektor und übernahm damit die Aufsicht über sämtliche Kesselanlagen in Wiener Industrien, Betrieben in Ungarn, Kroatien und allen Unternehmungen der von der österreichisch-ungarischen Monarchie okkupierten Gebiete Bosniens und der Herzegowina.

Seit 1918 war Gerbel als selbstständiger Ingenieurkonsulent für Maschinenbau und Elektrotechnik tätig. Seine Arbeiten auf den Gebieten der Energiewirtschaft und der Heizungstechnik erregten über die Landesgrenzen Interesse. Weiters erstellte er als langjähriger Konsulent der österreichischen, ungarischen und tschechischen Zündholzkonzerne und als Projektleiter der Kraftzentralen für deutsche Zündholzfabriken wissenschaftliche Studien über die Trocknung des Holzdrahtes. Unter seinen zahlreichen Publikationen gilt das 1918 erstmals erschienene und bis in die 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts bis zur dritten Aufl age nachgedruckte Werk “Kraft- und Wärmewirtschaft in der Industrie” als das wichtigste Werk. Zu Beginn seiner berufl ichen Tätigkeit hatte der Dampfkesselbau einen besonderen Aufschwung genommen. Gerbel veröffentlichte damals auch ein Buch im Berliner Springer-Verlag über die Herstellung der Dampfkessel.

Später beschäftigte er sich mit energiewirtschaftlichen Fragen in der Textil-, Papier-, Leder- und Gummiindustrie, in Mühlen, Brauereien, Betrieben der chemischen Industrie und Elektrizitätswerken. Gerbel war nach dem Ersten Weltkrieg Präsident und wiederholt Kammerrat der Wiener Ingenieurkammer, er wurde 1918 ehrenhalber mit dem Titel Baurat und 1923 mit dem Titel Oberbaurat ausgezeichnet. Auch sein Engagement im Österreichischen Gewerbeverein war nachhaltig und langjährig. Er war seit 1917 Mitglied dieses Vereines und in dieser Zeit 19 Jahre im Verwaltungsrat, davon zwölf Jahre als Vizepräsident tätig. Nach dem Zweiten Weltkrieg wandte er sich verstärkt betriebswirtschaftlichen Fragen zu und publizierte 1947 “Die Rentabilität industrieller Anlagen, Fehlinvestitionen, ihre Ursachen und ihre Verhütung” im Springer-Verlag. Das Buch widmete er jungen Ingenieuren, denen er eindringlich empfahl, die betriebswirtschaftliche Seite nicht zugunsten perfekter technischer Lösungen zu vernachlässigen.

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