1975

August F. Witt

Als international tätiger Forscher arbeitete August F. Witt mehr als 40 Jahre für das Massachusetts Institute of Technology (MIT). Der Weg in die USA führte über die Innsbrucker Universität, wo Witt 1959 bei der Chemikerin Erika Cremer (Wilhelm- Exner- Medaille 1957) promovierte. Auf Einladung Cremers war zu dieser Zeit ein Gastprofessor des MIT in Innsbruck, der Witt ermöglichte seine Forschungen am MIT fortzuführen.

Bevor Witt 1960 zum MIT kam und dort in den folgenden Jahren zu einem der wichtigsten Forscher seiner Zeit auf dem Gebiet des Kristallwachstums für die Halbleitererzeugung wurde, studierte er von 1953 bis 1954 am Pariser Radium-Institut bei Irène Joliot- Curie (1897-1956), der Chemie-Nobelpreisträgerin des Jahres 1935 und Tochter der Nobelpreisträgerin Madame Curie. 1958 ging er für ein Jahr nach Großbritannien, wo er am Atomforschungsinstitut in Harwell tätig war. Witt arbeitete ab 1960 am MIT als Forscher im Institut für Metallurgie und wechselte 1965 in das neu geschaffene Department of Metallurgie des MIT, wo er sich nachhaltig mit dem Studium des Kristallwachstums befasste.

Seine Untersuchungen ergaben, dass bei diesen Stoffen sowohl die Kristallisations- als auch die Ausscheidungsvorgänge von elektrischen oder magnetischen Feldern beeinflusst werden. Aber auch das Schwerkraftfeld der Erde beeinfl usst den Kristallisationsvorgang, besonders durch die schwerkraftbedingten Strömungen, die der Leistungsfähigkeit von Halbleitern Grenzen setzen. Der Schluss war, dass im Weltraum jene Bedingungen vorherrschen, die für eine optimale Halbleiterherstellung notwendig sind. Witt war auch in das Skylab-Projekt (1973-1974) der NASA eingebunden.

Während der dreimaligen Nutzung der bemannten Raumstation wurden Witts Forschungen in der Praxis mit großem Erfolg geprüft, denn im Weltraum ließen sich besonders regelmäßige Kristalle züchten. Dies deshalb, weil im All die Leitfähigkeit von Halbleitern erhöht werden kann, wenn Fremdatome mit geringfügig höherer oder niedrigerer Wertigkeit als der des Ausgangsmaterials in die Kristallstruktur eingebunden werden.

Einer dieser “Weltraum-Kristalle” zierte auch den Schreibtisch des damaligen amerikanischen Präsidenten Gerald Ford. Witt erfuhr eine Vielzahl von Auszeichnungen, so wurde er im Jahr 1974 von der NASA mit dem Outstanding Scientifi c Achievement Award sowie dem Space Processing Award des American Institute of Aeronautics and Astronautics geehrt.

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