1968

Adolf Leonhard

Besonderen Stellenwert zeichnen Adolf Leonhards Arbeiten zur Regelungstechnik aus. Sein 1940 im Springer-Verlag erschienenes Buch “Die selbsttätige Regelung in der Elektrotechnik” wurde noch während des Krieges 1944 in den USA nachgedruckt und auch ins Japanische und Türkische übersetzt. In Japan avancierte das Buch zum Standardwerk und erlebte mehrere Aufl agen. Leonhards Gymnasialzeit endete im Jahr 1917 aufgrund seiner Einberufung vorzeitig mit einer Notprüfung. Nach der Kriegsgefangenschaft begann er 1920 in München ein Studium der Elektrotechnik, welches er bereits im Jahr 1923 beendete.

Er wechselte danach zunächst zu den Berliner Siemens- Schuckert-Werken, wo er acht Jahre lang mit der Inbetriebnahme von großtechnischen Anlagen auf der ganzen Welt beauftragt war. Neben seiner berufl ichen Tätigkeit schrieb er zunächst eine Dissertation mit dem Titel “Der selbständig arbeitende Drehstromasynchrongenerator mit fremderregter Drehstromerregermaschine” und im Jahr 1936 seine Habilitationsschrift mit dem Titel “Asynchroner und synchroner Betrieb der allgemeinen, doppelt gespeisten Drehstrommaschine”. Im gleichen Jahr erfolgte auch die Neuordnung des Bereichs Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Stuttgart, an der Leonhard maßgeblich beteiligt war. Er wurde noch vor Fertigstellung seiner Habilitation auf den Lehrstuhl für Elektrische Anlagen berufen. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs war Leonhard kurzfristig nach Polen einberufen und nahm seine Lehrtätigkeit ab dem Jahr 1940 wieder auf.

Nach Kriegsende wurde er entlassen und im Jahr 1952 wieder berufen. Bereits 1952 hielt Leonhard in Stuttgart Vorlesungen, die sich ausschließlich mit dem Thema Regelungstechnik beschäftigten, und wirkte damit als Pionier der regelungstechnischen Ausbildung. Im Jahr 1962 wurde in Stuttgart das neue Studienmodell “Elektrische Regelungstechnik” eingeführt. Er wurde 1969 emeritiert. Leonhards Wirken war davon geprägt, dass er mehrfach zwischen industrieller und akademischer Tätigkeit wechselte. Neben der akademischen Laufbahn betätigte er sich als Monteur, Ingenieur und Unternehmer. So gründete er in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts die erfolgreiche mittelständische Firma “Leonhard Reglerbau”, die er bis zum Jahr 1973 leitete. Die Anerkennung, die Leonhard sowohl im industriellen als auch im akademischen Umfeld genoss, wurde in der Verleihung der Ehrendoktorwürde der TH Wien und der Verleihung des VDE-Ehrenrings gleichermaßen sichtbar.

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