2010 | Nobelpreis Gewinner

Ada Yonath

Mit Frau Ada Yonath wird 2011 eine hervorragende Wissenschaftlerin ausgezeichnet, die 2009 gemeinsam mit Vankatraman Ramakrishna und Thomas Steitz den Chemienobelpreis für die Erforschung der Struktur und Funktion von Ribosomen erhalten hat. Bevor ich aber auf diese besondere Leistung und den hohen praktischen Nutzen dieser Arbeiten eingehe, möchte ich doch einige Informationen zum Lebenslauf von Ada Yonath voranstellen.

Die Laureatin hat zunächst an der Hebrew Universität in Jerusalem Chemie studiert und in der Folge am Weizmann Institut in Rehovot mit Arbeiten auf dem Gebiet der Röntgenkristallographie dissertiert. Im Zuge ihres weiteren wissenschaftlichen Lebens, hat sich Ada Yonath auf breiter Basis international bewegt. Allein die Tatsache, dass sie viele Jahre an Max- Planck Instituten in Hamburg und Berlin in führenden Positionen tätig war, erlaubt mir, diese Laudatio in Deutsch zu halten, was angesichts der fachlichen Aspekte vom Auditorium vermutlich geschätzt wird.
Ada Yonath ist u. a. seit 1989 Direktor des Kimmelman Center for Biomolecular Assemblies und seit 1988 Professor am Department of Structural Biology; beides am Weizmann Institut in Rehovot. Zudem sind zahlreiche Forschungsaufenthalte und Gastprofessuren zu erwähnen, aber ich möchte mich eher auf das wissenschaftliche Oeuvre von Ada Yonath fokussieren.

Ada Yonaths Lebenswerk betrifft Untersuchungen zur Aufklärung eines der wichtigsten Lebensprozesse: nämlich die Übersetzung der Information aus der DNA (Desoxyribonukleinsäure), also der genetischen Information der Lebewesen in lebenswichtigen Strukturen mit Hilfe der Ribosomen. An Ribosomen werden Proteine hergestellt, die die ganzen chemischen Prozesse der Lebewesen kontrollieren und auch ganz entscheidend in der Ausbildung von Zellstrukturen sind. Da Ribosomen lebenswichtig sind, dienen sie auch als Zielstrukturen, also Andock-Stellen, für viele Antibiotika.

Der Nobelpreis wurde für die detaillierte Aufklärung der atomaren Struktur von Ribosomen vergeben. Ganz entscheidend für die Aufklärung der Struktur, war die Verwendung von röntgen­kristallographischen Methoden, insbesondere die Entwicklung von Verfahren, um Ribosomen zur Kristallisation zu bringen. Das klingt zunächst sehr einfach; man muss aber wissen, dass Ribosomen sehr komplexe Protein / Ribonukleinsäure Strukturen darstellen, die aus zwei Subeinheiten aufgebaut sind. Die Subeinheiten bestehen wiederum aus zahlreichen Proteinen und drei Ribonukleinsäureketten. Zusammen bestehen Ribosomen somit aus tausenden Nukleotiden, tausenden Aminosäuren und zusammen aus hundert­tausenden von Atomen, deren genaue Lage unter Zuhilfenahme der Röntgendiffraktion bestimmt werden musste, um eine Struktur / Funktionsbeziehung ableiten zu können. Eine unvorstellbare Aufgabe, die hier zu bewältigen war. Ein wesentlicher Durchbruch gelang Ada Yonath, indem sie 1980 für die Kristallisation die Ribosomen von Bakterien verwendete , die bei hohen Temperaturen (z.B. 75°C) wachsen. Diese Kristalle hatten erstmals die Qualität, um eine sogenannte atomare Auflösung zu erzielen. Neben der wissenschaftlichen Brillanz war hier bei diesen Arbeiten auch eine entsprechende Insistenz und hohe Zielstrebigkeit gefordert.
Ich betone nochmals, dass ohne Ribosomen, also diese komplizierten Maschinen, die in menschlichen, pflanzlichen, tierischen oder mikrobiellen Zellen befindliche DNA, die ja den gesamten Bauplan der Lebensformen enthält, nicht abgelesen und in Proteine übersetzt werden könnte. Unser Körper besteht ja aus zehntausenden von Proteinen mit individuellen Aufgaben und Funktionen, die letztlich das Leben auf chemischer Ebene ermöglichen und kontrollieren.

Wie ich aber schon einleitend betont habe, ist das wissenschaftliche Verständnis der Arbeit der Ribosomen auch von sehr hohem praktischen Nutzen, da viele der heute verwendeten Antibiotika die Funktion von bakteriellen Ribosomen blockieren und somit die Proteinsynthese und das Wachstum der Zellen verhindern. Ribosomen sind damit auch ganz wesentliche Zielstrukturen für neue Antibiotika, wobei wiederum die genaue Kenntnis des atomaren Aufbaues von Ribosomen eine Grundvoraussetzung darstellt.
Ein wichtiger Aspekt dieser Forschungen besteht auch darin, dass die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen bei pathogenen Organismen in Zusammenhang mit einer sehr spezifischen Wechselwirkung der Antibiotika mit den Ribosomen in Relation stehen kann.

Ada Yonath kann somit auf ein Lebenswerk verweisen, das ganz entscheidend zum Wohle der Menschheit beigetragen hat und noch beitragen wird. Als Konsequenz wurden ihre wissenschaftlichen Leistungen neben dem Nobelpreis bereits auch mit zahlreichen weiteren höchsten Auszeichnungen gewürdigt. Sie ist zudem Mitglied vieler Akademien, wie der “The USA National Academy of Sciences” und der “American Academy of Art and Sciences”. Da Ada Yonath seit vielen Jahren auch eine sehr begehrte Vortragende ist, freue ich mich sehr, dass es ihr terminlich möglich war, zur heutigen Feier nach Wien zu kommen.

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