Michael Grätzel

Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt er sich mit der Erforschung der
Photosynthese, mit deren Hilfe Pflanzen Energie aus Sonnenlicht produzieren.

Die entscheidende Idee zu seinen Forschungen war, die Photosynthese als
fundamentalen Naturprozess nachzubauen, um Sonnenlicht in elektrische
Ladung umzuwandeln.

Michael Grätzel (Jg. 1944) wurde in Dorfchemnitz in Sachsen geboren. Er
studierte zunächst Chemie an der Freien Universität und promovierte dann
1971 an der Technischen Universität Berlin. Nach einer dreijährigen
Tätigkeit als Assistent am Hahn Meitner Institut in Berlin ging er 1972
für zwei Jahre als PostDoc in die USA. Nach seiner Rückkehr habilitierte
er sich als wissenschaftlichen Mitarbeiter am Hahn Meitner Institut.
1977 folgte der Wechsel an die Ecole Polytechnique Federal Lausanne, wo
er zunächst als Associate Professor tätig war, um 1981 die Professur für
Physikalische Chemie zu übernehmen. Zudem leitet er dort auch das
Laboratorium für Photonik und Grenzflächen.

Grätzel gilt als Pionier der Forschung im Bereich Energie und
Elektronentransfer-Reaktionen in mesoskopischen Materialien und deren
Anwendung in Solarenergie-Umwandlungssystemen in optoelektronischen
Bauelementen.

Die hohe Relevanz der Forschungsarbeiten des Laureaten ist in
Zusammenhang mit der Tatsache zu sehen, dass Energie immer knapper und
teurer wird. Die Weltbevölkerung nimmt rasant zu und der Lebensstandard
in den Schwell- und Entwicklungsländern verbessert sich kontinuierlich.
Angesichts des Anstieges des Weltenergiebedarfes ist auch zu
berücksichtigen, dass die natürlichen Ressourcen an fossilen Rohstoffen
und Erzen für nukleare Brennstoffe auf unserem Planeten begrenzt sind.
Diese Gesamtproblematik macht immer deutlicher, dass der Nutzung der
Solarenergie in Zukunft eine zentrale Rolle zukommen wird.

Noch eine Eigenschaft der Grätzelzelle ist erwähnenswert: Die
Farbstoffzelle arbeitet im Vergleich zur herkömmlichen Siliziumzelle
besonders gut bei diffusem Licht. Zudem bieten die auf Basis der Grätzel
Zelle entwickelten Solarzellen noch viele andere Vorteile.
Beispielsweise wiegen Farbstoffsensibilisierungs-Solarzellen auf
flexiblen Substraten ca. 500 g/m2, anorganische Solarzellen - wie die
Silizium-Photovoltaikzelle - hingegen mehr als 10 kg/m2. Das ist ein
gravierender Unterschied, der vor allem für Außenanwendungen von
entscheidendem Vorteil ist. Da die Grätzelzelle auch wesentlich billiger
herzustellen ist als die auf der Siliziumtechnologie basierende
Solarzelle, wird sie in Zukunft auch eine ganz entscheidende Rolle bei
der Erzeugung von Elektrizität in Kleinanlagen in der Dritten Welt
spielen. Es gibt aber auch eine Reihe von Anwendungen wie z. B.
stromerzeugende Fenster, oder Fassaden, die sich mit der klassischen
Siliziumtechnologie nicht verwirklichen lassen. Zur Zeit wird die
Farbstoffzelle in zahlreichen Industrienationen und Unternehmen
weiterentwickelt.