Klaus Pinkau

Die Forschungsschwerpunkte von Klaus Pinkau sind in den Bereichen kosmische Strahlung, hochenergetische Kernwechselwirkungen sowie in der Elementarteilchenphysik angesiedelt. Klaus Pinkau lernte ursprünglich Reproduktionsphotografie, absolvierte die Gesellenprüfung 1950 und studierte ab 1951 Mathematik an der Universität Tübingen, ab 1953 Physik in Hamburg und machte 1958 seinen Ph.D an der University of Bristol. Er wurde Assistent an der Universität Kassel. Im folgenden Jahr war er Associate und Consulting Professor an der Louisiana State University. Im Jahr 1966 habilitierte er sich an der TU München und wurde 1969 zum Außerplanmäßigen Professor berufen. Seine bereits in Bristol entwickelte Methode, Energie von Gammastrahlen zu messen, nutzte er später, um die energiereiche Strahlung aus dem Kosmos zu untersuchen.

Am Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik in Garching, das er von 1972 bis 1977 als Direktor leitete, etablierte er den in Deutschland neuen Forschungszweig der Hochenergie-Astronomie. Der hier betreute Satellit COS-B wurde einer der erfolgreichsten Satelliten des europäischen Raumfahrtprogramms und fertigte die erste Himmelskarte der Milchstraße im Lichte der kosmischen Gammastrahlung an. Von den Plasmen im Weltraum wandte sich Pinkau während seiner Zeit als Direktor des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik den irdischen Plasmen in Fusionsanlagen zu. Aufbauend auf den Erfolgen der Fusionsanlage ASDEX wurde ab 1982 der Nachfolger ASDEX Upgrade konzipiert. Pinkaus weitblickende Planung nahm damals in verkleinertem Maßstab das derzeit in Bau befindliche ITER-Projekt vorweg. ASDEX Upgrade ist seit 1990 als größte deutsche Fusionsanlage in Betrieb und untersucht Kernfragen der Fusion unter kraftwerksähnlichen Bedingungen. Auch an der europäischen Gemeinschaftsanlage JET, die 1983 in Betrieb ging, war sein Institut beteiligt. Für seine Weltrekord-Ergebnisse im Jahr 1997, bei denen JET 16 Megawatt Fusionsenergie erzeugen konnte, wurde ein im ASDEX entdeckter Plasmazustand genutzt.

Pinkau engagierte sich aber auch in der Forschungsberatung. Er war Mitglied des Wissenschaftsrates, Vorsitzender des Beratungskomitees der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA, Vorsitzender des Gründungsausschusses der Berliner Akademie der Wissenschaften und leitete 1980 den Gutachterausschuss "Großprojekte der Grundlagenforschung", der das Forschungsministerium bei der Einrichtung neuer Großprojekte beriet.