Ferdinand Steinhauser

Die Forschungen des Klimatologen und langjährigen Leiters der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) auf der Hohen Warte schufen eine der Grundlagen für die in den 70er Jahren beginnende Diskussion über die Nutzung der Sonnenenergie. Steinhauser stellte durch die von ihm veranlasste Erarbeitung der Tages- und Jahresgänge der Sonnenscheindauer die Messdaten zur Verfügung. Für die Nutzung der Wind energie waren seine Arbeiten über Windrichtungen und Windstärken ebenfalls von großer Bedeutung.

Von ihm stammt eine große Zahl von wissenschaftlichen Arbeiten, darunter mehr als 120 Veröffentlichungen in Fachzeitschriften. Gemeinsam mit anderen Verfassern schrieb er das grundlegende Werk "Klima und Bioklima von Wien". Ebenso ein Standardwerk ist das Buch "Klimatographie von Österreich". Einen breiten Raum in seiner Arbeit nahmen auch Fragen der Umweltverschmutzung, insbesondere die Luftverunreinigungen im Stadtgebiet, ein. Er gründete an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) eine eigene Abteilung für Luftchemie und konnte zeigen, wie meteorologische Verhältnisse die Verbreitung des Schwefeldioxyds im Stadtgebiet von Wien und Graz beeinflussten.

Richtungweisend waren seine Messungen und Registrierungen der Radioaktivität, insbesondere des langlebigen Strontiums. Darüber hinaus beschäftigte sich Steinhauser auch mit der Zusammenstellung von Klima- und Niederschlagskarten sowie Karten für die Schneeverteilung. Weiters errechnete er die Durchbiegung der Erdkruste durch die Schneebelastung der Alpen. International bekannt wurde Steinhauser auch durch seine leitende Teilnahme am Internationalen Geophysikalischen Jahr 1957/58 und durch seine Mitarbeit an der umfassenden Anlegung einer weltweiten Glacialkarte.

Ferdinand Steinhauser studierte an der Universität Wien Mathematik, Physik und Geophysik und arbeitete danach an seiner Habilitierung, die im Jahr 1940 erfolgte. Seit 1953 war er Ordinarius des Instituts für Meteorologie und Geophysik an der Universität Wien und wurde im gleichen Jahr zum Leiter der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik ernannt. Er leitete die ZAMG bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1976. Im Studienjahr 1961/62 war er Dekan der philosophischen Fakultät und zwischen 1967 und 1970 Senator der Wiener Universität. Weiters war er wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Mitglied der New Yorker Academy of Sciences.