Leopold Küchler

Leopold Küchler war ein Wissenschafter, der durch seine Arbeiten stets in enger Wechselwirkung zur Praxis stand. Er studierte an der Wiener Universität und begann seine Doktorarbeit am Institut von Hermann Mark, dem schon 1934 die Wilhelm- Exner-Medaille verliehen wurde. Das Thema wurde ihm von dem späteren Professor Franz Patat gestellt, der 1962 mit der Wilhelm- Exner-Medaille ausgezeichnet wurde. Zu dieser Zeit begann der Aufschwung der Kunststoffchemie und Küchler wandte sich am Beginn dieser Entwicklung der Kinetik der Makromoleküle zu.

Im Jahr 1936 ging er nach Göttingen als Assistent an das Institut für Physikalische Chemie von Arnold Eucken (1884-1950), wo er sich 1943 habilitierte. Nach 1945 war Küchler wieder in Göttingen tätig, dort verfasste er das erste deutsche Buch über Polymerisationskinetik, das ein Standardwerk wurde. Im Jahr 1948 wechselte Küchler zu den chemischen Werken Hoechst und leitete die physikalischen Entwicklungslaboratorien in der Abteilung für chemische Verfahrenstechnik. Wieder war er einer der Ersten, die ein neues Verfahren aufgriffen. Er optimierte Produktionsverfahren durch die damals so genannten elektronischen Rechengeräte. Dabei ging er völlig neue Wege, die er deswegen beschreiten konnte, weil er aufgrund seiner Qualifi kation als Chemiker, Physiker und Mathematiker differenzierte Lösungen zu erstellen in der Lage war. Im Jahr 1957 wurde er zum Außerplanmäßigen Professor an der Universität Frankfurt am Main ernannt. Leopold Küchler war auch ein entschiedener Promotor der Kernenergie, der neue Produktionsgebiete erschloss, die großindustrielle chemische Prozesse voraussetzten, wie etwa die Produktion von Schwerem Wasser oder die Wiederaufbereitung abgebrannter Brennelemente.

Er war Mitglied einer Gruppe von Chemiemanagern, die dafür sorgten, dass in der BRD eine Versuchswiederaufarbeitungsanlage und ein großindustrielles Wiederaufarbeitungsprojekt für abgebrannte Brennelemente realisiert werden konnten. Küchler war unter anderem Vorstandsmitglied der Deutschen Bunsen gesellschaft für Physikalische Chemie, Mitglied des Kuratoriums des Dechema-Institutes, Vorsitzender des Dechema-Arbeitsausschusses "Technische Reaktionen", Vorsitzender des Arbeitskreises "Wiederaufarbeitung bestrahlter Kernbrennstoffe" der Deutschen Atomkommission. Küchler veröffentlichte während seiner Laufbahn 31 wissenschaftliche Originalarbeiten und verfasste neun Bücher sowie eine Vielzahl an Beiträgen in Sammelwerken.