Paul Ludwik

Der Ausgezeichnete des Jahres 1929 wurde als Sohn des in der österreichischen Monarchie außerordentlich bekannten Technikers Kamill Ludwik in Schlan geboren, da sein Vater Direktor bei der in diesem Ort ansässigen Maschinenfabrik Tedesco & Co war. Im Unterschied zu seinem Vater, einem hervorragenden Praktiker, entschied sich Ludwik für eine wissenschaftliche Karriere. Nach dem Studium des Maschinenbaus an der Deutschen Technischen Hochschule Prag arbeitete er zwei Jahre lang als Konstrukteur bei der Prager Maschinenbau-AG.

Im Jahr 1903 wechselte er bereits von der Praxis zur wissenschaftlichen Tätigkeit und arbeitete bei Friedrich Kick (1867-1945), Professor für technologische Mechanik an der Wiener Technischen Hochschule. Ein Jahr später wurde Ludwik promoviert und avancierte im Jahr 1905 zum Privatdozenten für technologische Mechanik. Fünf Jahre später wurde er an der Technischen Hochschule Wien zum Außerordentlichen Professor und im Jahr 1918 zum Ordentlichen Professor für mechanische Technologie und Materialprüfungswesen ernannt.

Ludwik gilt als der Begründer der technologischen Mechanik. Seine Forschungen zur plastischen Verformung von Metallen beim Biegen, Walzen und Ziehen waren zu seiner Zeit wegweisend. Ludwik zeigte mittels der Fließkurve wichtige Zusammenhänge zwischen Spannung und Verformung bei Zug-, Druck- und Verdrehungsbeanspruchung von Metallen.

Unter dem Begriff Fließkurve versteht man den Zusammenhang zwischen Fließspannung und Umformgrad. Dieser Begriff wird in der Werkstoffkunde als Maß gebraucht, das die benötigte Kraft pro Flächeneinheit angibt, um einen Körper plastisch zu verformen. Die Fließkurve kann beispielsweise durch einen Stauchversuch oder Zugversuch ermittelt werden. Zusätzlich zur Abhängigkeit vom Umformgrad eines Werkstoffes ist sie auch von Temperatur und Umformgeschwindigkeit abhängig. Ludwik entwickelte ein eigenes Härte-Prüfverfahren, nämlich die Kegelhärteprüfung. Ein weiterer Schwerpunkt seiner Arbeit lag in der Erforschung der Zusammensetzung von Metallen, wodurch er Vorhersagen über Alterungsprozesse von Stahl zu tätigen in der Lage war. Wichtiger Grund für seine Auszeichnung war, dass Paul Ludwiks wissenschaftliche Forschungen unmittelbar in die Praxis einfl ießen konnten und er dadurch wesentlich zu vermehrter Sicherheit und auch Wirtschaftlichkeit im Baugewerbe beitrug.